SONSTIGES| Umbenennung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv)

S

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende, liebe Abonnent*innen
unserer kv-Mailingliste,

kaum ein anderes Fach pflegt einen so reflexiven und kritischen Umgang
mit der eigenen Fachgeschichte, den epistemologischen Grundlagen
kulturwissenschaftlicher Forschung, den Gegenständen und Methoden sowie
mit dem eigenen Selbstverständnis wie die Volkskunde/Empirische
Kulturwissenschaft/Kulturanthropologie/Europäische
Ethnologie/Kulturanalyse. In vielen programmatischen Beiträgen haben
sich Kolleginnen und Kollegen dabei immer wieder auch mit der
Bezeichnung unserer Disziplin auseinandergesetzt. Zahlreiche
Institutionen (etwa Hochschulinstitute, Forschungseinrichtungen,
regionale Verbände und Vereine oder Museen) haben sich in den
vergangenen Jahrzehnten in ihren Benennungen vom Begriff „Volkskunde“
abgewandt. Dabei ist die Pluralität der neuen Bezeichnungen – des
bisweilen sogenannten „Vielnamenfachs“ – zwar zumindest für
Außenstehende häufig hinderlich, respektiert aber letztlich auch die
unterschiedlichen individuellen Profile von Institutionen und Standorten.

In seiner langen Geschichte hat auch der Fachverband der Deutschen
Gesellschaft für Volkskunde (dgv) dieses Thema immer wieder aufgegriffen
– es gab zum Teil heftige Kontroversen, die immer äußerst produktiv
waren. Sie führten bislang jedoch nie zu einer neuen Bezeichnung, die
die Geschichte und das Selbstverständnis der Fachgesellschaft, unsere
Zugänge und Perspektiven auch adäquat abbildet. Der Schritt einer
Umbenennung erscheint Vorstand und Hauptausschuss der dgv heute nun
unabdingbar.

Die Gründe für eine Umbenennung sind dabei äußerst komplex und
vielschichtig. Dies trifft ebenso auf Argumente für oder wider diese
oder jene Fachbezeichnung zu. Wir möchten Ihnen nun einen möglichst
offenen und transparenten Prozess der Meinungsbildung vorschlagen. Aus
diesem Grund adressieren wir nicht nur den engeren Kreis unserer
Mitglieder, sondern mit den Abonnent*innen der kv-Mailingliste auch
weitere Personen, die unserem Fachzusammenhang nahe stehen. Es geht uns
dabei nicht um eine inhaltliche, konzeptionelle, theoretische oder
politisch-strategische Neuausrichtung der Disziplin als solcher – auch
wenn man dies nicht trennscharf von der Debatte loslösen kann. Vielmehr
sollten in der neuen Bezeichnung der Fachgesellschaft die lang
tradierten verbindenden Elemente unserer vielfältigen Lehr-,
Forschungs-, Ausstellungs- und Kulturvermittlungspraxis zum Ausdruck kommen.

Um eine Beteiligung möglichst offen zu halten, schlagen Vorstand und
Hauptausschuss der dgv folgendes Verfahren vor und bitten um eine
möglichst breite Mitwirkung. Eingeladen sind explizit alle, die an
kulturwissenschaftlicher, ethnographischer oder historischer
Alltagsforschung interessiert sind – und dies quer durch alle
Statusgruppen. Insbesondere ist uns auch daran gelegen, unsere
engagierten Studierenden, den wissenschaftlichen Nachwuchs von den
Promovierenden bis zu den Postdocs ebenso zu beteiligen wie alle
Kolleginnen und Kollegen, die selbstständig, an außeruniversitären
Forschungs-, Vermittlungs- oder an anderen Einrichtungen tätig sind.
Die Fachgesellschaft hat sich immer zum Ziel gesetzt, eine
Interessensvertretung für all jene zu sein, die sich der
kulturwissenschaftlich-volkskundlichen Forschung und Kulturarbeit
verbunden fühlen.

1) Meinungsbild/Statements
Wir möchten Sie einladen, sich auf der Internetseite der
Fachgesellschaft mit einem Statement und/oder einem Namensvorschlag zu
beteiligen. Sie haben die Möglichkeit, Statements auch in anonymisierter
Form zu formulieren. Zum Online-Formular gelangen Sie hier:
www.d-g-v.de/umbebennung-der-fachgesellschaft/
Das Online-Formular wird bis Ende November 2020 freigeschaltet sein, so
dass Sie genügend Zeit haben, Ihr Statement zu formulieren.

2) Dossier der Einsendungen
Aus diesen Statements werden wir ein Dossier zusammenstellen, das die
Grundlage für die weitere Diskussion bildet. Im Formular auf der
Internetseite können Sie angeben, ob Ihr Statement nur für den internen
Gebrauch genutzt werden darf oder, ob es in das dann zu
veröffentlichende Dossier einfließen kann. Das Dossier wird etwa im
Januar 2021 vorliegen und dann auf der Internetseite der
Fachgesellschaft veröffentlicht werden.

3) Debatte im Rahmen der dgv-Hochschultagung in Tübingen
Ihre Statements werden unsere im Rahmen der dgv-Hochschultagung in
Tübingen (25.-27. März 2021; uni-tuebingen.de/de/170445)
geplante Diskussion anleiten. Wir möchten hier möglichst viele Argumente
abwägen, um schließlich konkrete Vorschläge zu unterbreiten.

4) Entscheidung im Rahmen der dgv-Mitgliederversammlung 2021
Die eigentliche Entscheidung über eine Umbenennung trifft dann die
Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, die wie
üblich im Rahmen des kommenden dgv-Kongresses (September 2021 in
Regensburg) zusammentritt.

Vorstand und Hauptausschuss ist es wichtig zu betonen, dass es sich um
einen ergebnisoffenen Prozess handelt, aus diesem Grund möchten wir in
dieser ersten Phase des Meinungsbildes auch keinen Vorschlag
hinsichtlich eines neuen Namens formulieren. Zu jedem Zeitpunkt wollen
wir die Stimmen unserer Mitglieder und der interessierten
Fachöffentlichkeit hören.

Wichtig ist es uns ebenfalls, den Prozess in Absprache mit unseren
befreundeten Fachgesellschaften in Österreich und in der Schweiz zu
gestalten. Es geht uns um die Stärkung von Fachzusammenhang und
Fachgesellschaft. Und diese sollte in einem möglichst breiten Konsens
gelingen.

Gerne dürfen Sie sich mit Anregungen zum Verfahren oder mit Fragen an
die Geschäftsstelle (Claus-Marco Dieterich, geschaeftsstelle@d-g-v.de)
oder auch an mich selbst (tauschek@kaee.uni-freiburg.de) wenden.

Ich danke Ihnen schon jetzt für Ihre Mitarbeit und bin gespannt auf
einen produktiven und vielleicht auch nicht immer einfachen
Diskussionsprozess, der Fach und Fachgesellschaft aber insgesamt
außerordentlich stärken wird.

Herzliche Grüße und vielen Dank für Ihre Mitwirkung!

Markus Tauschek
(im Namen von Vorstand und Hauptausschuss der
Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V.)

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* * * dgv-Kongress 2021 | CfP online! |
www.d-g-v.de/call-for-papers/ * * *
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Deutsche Gesellschaft für Volkskunde e.V. (dgv)
Claus-Marco Dieterich | Geschäftsführer
c/o Institut für Europäische Ethnologie / Kulturwissenschaft
Deutschhausstr. 3 | D-35037 Marburg
geschaeftsstelle@d-g-v.de | www.d-g-v.de
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