CfP: Manifestationen sozialer Utopie? Musikvideos und Transkulturalität

C

Sehr geehrte Listenmitglieder,

gern leite ich den folgenden CfP weiter (s.u.).

Beste Grüße im Namen der Organisator*innen
Kathrin Dreckmann und Christofer Jost

Joh. Müske

[https://www.hsozkult.de/event/id/termine-40823]

*Manifestationen sozialer Utopie? Musikvideos und Transkulturalität*

Ort: Düsseldorf
Veranstaltungsort: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstalter: Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der
Universität Düsseldorf; Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM),
Universität Freiburg
Datum: 25.03.2020 – 27.03.2020
Bewerbungsschluss: 01.10.2019

Ein aktuelles Paradigma audiovisueller Medienkulturen bildet die
Medienästhetik des Musikvideos. Aus medienkulturwissenschaftlicher
Perspektive ist das Medium des Musikvideos an einer dezidiert hybriden
Schnittstelle positioniert: zwischen High Culture und Low Culture,
Akustischem und Visuellem, (Medien-)Kunst und Werbung angesiedelt,
bewegt es sich immer auch an den Grenzen medialer Formen und Gattungen.
Dabei scheint das Genre Musikvideo zunehmend ein probater ›Way of
Worldmaking‹: Immer mehr Künstler/innen nutzen das Musikvideo nicht nur
zur Verbreitung ihrer Musik, sondern um Missstände in Gesellschaft und
Politik oder Identitätsfragen zu thematisieren. So werden auch
klassische Rollen-, Geschlechter- sowie Körperbilder durch
posthumanistische oder -feministische Entwürfe in Frage gestellt. Das
Musikvideo als Möglichkeitsraum und Medium der kritischen Reflexion hat
auch durch seine Einbindung in Social Media und der digitalen Welt an
subversivem Potential gewonnen: Die in Musikvideos dargestellten
Gegenentwürfe zu Heteronormativität, Ableism, Patriarchalismus,
Rassismus etc. können erstens von mehr Menschen und zweitens aus einer
größeren Vielfalt der Lebensentwürfe, Interessenlagen und Motivationen
heraus produziert, distribuiert und rezipiert werden.
Das Duo FAKA beispielsweise nutzt das Musikvideo als Ausdrucksmittel
der afrikanischen LGBT Kultur, die Sängerin Janelle Monáe nutzt
afrofuturistische Bezüge für queere Cyborgästhetiken, Rapper Drive-By
erweitert das klassische Körperbild im HipHop und der südamerikanische
Performer, Musikproduzent und DJ Arca setzt Postgenderfragen in den
Kontext von postfeministischen Lesarten des Cyborgs. Einen besonderen
Schwerpunkt bilden dabei auch Bildästhetiken nach transkulturellen
Diskursordnungen, wie sie beispielsweise im Werk der
iranisch-kurdischen Sängerin Helly Luv oder der tamilischen Rapperin
M.I.A. zu finden sind. Transkulturalität im Musikvideo lässt sich dann
besonders als eine neue hybride Form einer Bewegtbildästhetik
beschreiben, die zentral nach dem Zusammenhang von Identität, Gender
und Geopolitik fragt. Gleichzeitig finden neue musikalische Stile, die
die symbolischen Ordnungen bestehender Musikgenrekonstruktionen
durchkreuzen, im Musikvideo ein wirkmächtiges Verbreitungsmedium.
Transkulturelle Dynamiken verweisen mitunter auf sich wandelnde
Klangästhetiken, im Falle des Musikvideos außerdem auf einen
Möglichkeitsraum der wechselseitigen Beeinflussung von Bilder- und
Klangwelten. Darüber hinaus speisen audiovisuelle Langformen
transkulturelle Diskurse, so werden aktuell grenzgängerische
Popkulturpersönlichkeiten wie Beyoncé und Lady Gaga in
Musikdokumentationen porträtiert.

Aus den beschriebenen Entwicklungen eröffnen sich verschiedene
Fragestellungen, wie beispielsweise: Könnte die Produktion von
emanzipatorischen und subversiven Bildern in Form von Musikvideos eine
Ersatzhandlung zu Aktivismus sein oder wie beeinflusst der ästhetische
Diskurs das politische Denken und Handeln? Können die aktuellen
popkulturellen Konzepte der schnell produzierten und im Verhältnis
kostengünstigen Musikvideos mehr wagen, was die Präsentation von
diversen und subversiven Identitäten und Botschaften betrifft, als
(Musik-)Dokumentationen und Spielfilme, die durch höhere Budgets und
längere Produktionszeiten anderen Zwängen unterliegen?

Für die Konferenz stehen spezifische transkulturelle und -mediale
Phänomene (etwa Exotismus, Orientalismus, Afrofuturismus/-punk,
(Trans-)Gender) am Beispiel des Musikvideos im Fokus. Vor dem
Hintergrund der Diskurse aus den Cultural Studies sollen Zitations- und
Interferenztechniken der Popkultur im Hinblick auf ihren
medienhistorischen Anfang hin befragt werden. Auf welche Ästhetiken und
auf welche Diskurse beziehen sich erneut aufgerufene Bilder, wie werden
dabei Musik, Text und Bildrelationen in Szene gesetzt und wie lässt
sich über solche subversiveren Verfahren der Bebilderung von Musik
sprechen?
Beitragsvorschläge von maximal 1.500 Zeichen (inkl. Leerzeichen, ohne
Literaturverzeichnis) mit kurzen Angaben zur Person sind bis zum
01.10.2019 einzureichen bei:

kathrin.dreckmann@gmail.com
christofer.jost@zpkm.uni-freiburg.de
Nachwuchswissenschaftler/innen können bei den Veranstaltern einen
Reisekostenzuschuss beantragen.
Kontakt

Christofer Jost
Zentrum für Populäre Kultur und Musik, Universität Freiburg, Rosastr.
17-19, 79098 Freiburg

christofer.jost@zpkm.uni-freiburg.de

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