ANFRAGE: Familiendokumente

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Liebe Mitglieder dieser Liste,

ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich mich auf diesem Wege an Sie und Euch wende. Das Aufkommen der neuen „sozialen“ Medien, Facebook vor allem, hat eine neue Art von Repositorien geschaffen, mit denen sich unsere Archive und Museen auch auf eine neue Weise auseinandersetzen müssen. Jetzt finden wir Dokumente online, die noch nicht an Archive gegeben wurden, die sich meist noch in Familienbesitz befinden, sie werden in Medien vorgestellt und „verhandelt“, besprochen und kommentiert, aber niemand weiß so recht, wohin sie gehören (sollen).

Im konkreten Fall lese ich Nachrichten einer sehr interessanten „community“ – die der Nachkommen deutscher Juden, die durch die Vertreibung und Emigration nach 1933 über den ganzen Globus verstreut wurden. Sie haben sich zu FB-Gruppen wie „JEWS – Jeckes Engaged in Worldwide Social Networking“ – oder „Hoppe Hoppe Reiter“ (in Israel) zusammengefunden und tauschen Informationen aus. Neben Nachrichten über Besuche in Deutschland oder über die Verlegung von Stolpersteinen kommt dabei immer wieder die Frage auf: „Was soll ich mit den Familienbriefen machen, die durch die Zeitumstände bedingt in meinem Besitz verblieben sind?“

Darauf kann man natürlich pragmatisch antworten – geben Sie die Briefe in irgendein Archiv. Man könnte aber, und dabei bin ich gerade, die Fantasie entwickeln, dass in solchen Sammlungen eine schier unendliche Fülle von potentiellen Themen für Magister- und Doktorarbeiten steckt: Regional verschieden, was die Herkunft angeht (und dadurch voller Informationen über die Orte der Herkunft); transnational, wenn man bedenkt, wohin es die Menschen verschlagen hat, von Sydney über Cape Town nach Buenos Aires oder Los Angeles (und dadurch voller Informationen über Reisen, Abschiede und Ankünfte, über materielle Objekte, über die Schiffsreise, über den Spracherwerb und so weiter); von Interesse für Familien-, Gender-, und Generationenfragen.

Wenn ich damit ein allgemeines Interesse wecke, bin ich sehr gerne bereit, konkrete Informationen weiterzugeben. Ich habe den Eindruck, dass die Generation der Enkel, die zur Zeit mit solchen Dokumenten „umgeht“, ein großes Interesse an einem Austausch hat. Das wollte ich hiermit gerne weitergeben.

Mit besten Grüßen,
Joachim Schlör

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Von Claus-Marco Dieterich

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