CfP: „Pop the Nation!“ zur 6. Arbeitstagung der dgv-Kommission „Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung“ (KPUV)

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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir möchten Sie gerne auf den Call for Papers zur sechsten Arbeitstagung der dgv-Kommission „Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung“ (KPUV) aufmerksam machen.
Bitte beachten Sie die ausnahmsweise recht kurzfristige Deadline. Die Veranstaltung findet bereits im Februar 2020 in München statt.

Mit freundlichen Grüßen,

PD Dr. Marketa Spiritova (München)
PD Dr. Manuel Trummer (Regensburg)

www.kpuv.de <www.kpuv.de/>
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++++++ Call for Papers +++++++++

Pop the Nation! Das Nationale als Ressource und Argument in Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung

Tagung der dgv-Kommission „Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung“
19.–21. Februar 2020

An der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München
und der Ludwig-Maximilians-Universität, München

In Kooperation mit:
Bayerische Akademie der Wissenschaften, München
Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
Vergleichende Kulturwissenschaft, Universität Regensburg

„Deutschland! Deine Liebe ist Fluch und Segen“, riefen Rammstein im Mai 2019 von der Spitze der nationalen Singlecharts. Das zugehörige Video wurde auf Youtube bislang 80 Millionen Mal angeklickt. Im TV erreichen Serien wie Deutschland 1983 (RTL) oder Deutschland-Saga (ZDF) hohe Marktanteile, Jan Böhmermann gibt sich als rappender „Verfassungspatriot“, bei Sportgroßveranstaltungen erliegen Millionen von Fans dem schwarz-rot-goldenen „Schlaaand!“-Fieber, während erfolgreiche Computerspielreihen wie Battlefield die Streitkräfte der „Euro Force“ gegen China ins Feld führen. Die „Wiederentdeckung des Nationalen“ (Götz 2011) als Ressource populärer Identitätspolitiken hat die Unterhaltungs- und Vergnügungskulturen und ihre Medien auf breiter Ebene erfasst.

Diese Entwicklung korrespondiert mit der zunehmenden politischen Polarisierung gegenwärtiger Gesellschaften und dem Erstarken nationalkonservativer Politiken. So ist aktuell nicht nur eine höhere Sichtbarkeit linken/linksliberalen Protests („Wir sind mehr!“) zu beobachten, sondern auch eine intensive Vereinnahmung der Pop(ulär)kultur durch die Neue Rechte („Nipster“, „IBster“). Besonders in den Ländern des östlichen und südöstlichen Europa sind rechtsnationale, geschichtsrevisionistische, antisemitische, antiziganistische und homophobe Tendenzen längst auch Teil des popkulturellen Mainstreams geworden (Götz/Roth/Spiritova 2017). Hier zählen populärkulturelle Angebote mittlerweile zu den festen Instrumenten einer nationalistischen Politik. Der turbofolk der 1980er und 1990er Jahre, der als „music of the war“ in die Musikgeschichte Jugoslawiens einging, der Massenerfolg der ungarischen Rechtsrock-Band Kárpatiá oder die Allianz zwischen Hip Hop und polnischer Geschichtspolitik illustrieren dabei die hohe Wirkmacht nationaler Bilder, Mythen und Erzählungen in Musik, TV, Kino und (Computer-)Spielen.

Die Veranstaltung widmet sich als Forschungstagung diesem komplexen Schnittfeld von populären Kulturen und Nationalem. Der Blick richtet sich dabei auf die herausragende Rolle der Unterhaltungs- und Vergnügungskulturen im Kontext identitätspolitischer Kontexte. Wir gehen davon aus, dass Kulturen der populären Unterhaltung und Vergnügung in ihrer sinnlich-körperlichen Wahrnehmbarkeit, strategisch-kommerziellen Bedingtheit und oft spektakulären Visualität über ungewöhnlich hohe emotionale Qualitäten verfügen, weswegen gerade hier ein besonders herausragendes politisches Mobilisierungspotential zu vermuten steht (Maase 2019; 2010).

Die Medien der populären Unterhaltungs- und Vergnügungskulturen verstehen wir mit Aleida Assmann als „weit mehr als die Grundlage für weltweite menschliche Kommunikation. Sie vermitteln auch zwischen Mensch und Welt sowie zwischen Mensch und Geist, bzw. Imagination. Aufgrund ihres konstruktiven Charakters sind sie produktive Instrumente der Welthervorbringung und -gestaltung.“ (Assmann 2008). Über das Argument „Nation“ reproduzieren und ästhetisieren Popmusik, Kino, Fernsehen und (Video)Spiele somit nicht lediglich gesellschaftspolitische Entwicklungen. Sie produzieren über geteilte Wissensbestände und Identifikationsangebote selbst (imaginierte) Zugehörigkeiten. Indem populäre Kulturen so mit dem oft mythisch-vagen und affektiv konturierten Argument des „Nationalen“ Grenzen zwischen dem Eigenem und dem Fremden markieren, strukturieren sie kulturelle Prozesse und Gesellschaften grundlegend, schaffen imaginäre Gemeinschaften (Anderson 1983) und zeigen akute Konflikte an. Die globale Mediascape (Appadurai 1990) der populären Kulturen zeigt sich so zunehmend von nationalen, traditionalen und regionalen Partikularismen geprägt, denen eine Vielzahl divergierender kultureller Bedeutungen zukommt (Trummer 2019; 2017).

Erbeten sind sowohl theoretisch-konzeptuelle als auch empirische Beiträge zu unter anderem folgenden Fragen:

– Das Nationale als theoretisches Konzept: Welche Konzepte des Nationalen finden sich in Kulturen der populären Unterhaltung und Vergnügung wieder? Handelt es sich, z. B. um ästhetische, emotionale oder mythische Formen? An welche Nationalismuskonzepte lässt sich anknüpfen?

– Utopien oder Retropien (Bauman 2017): welche kulturellen Leitbilder und gesellschaftlichen Ideale verbinden sich mit dem Argument des Nationalen in den populären Kulturen?

– Das Nationale als ästhetische Ressource: welche Symbole, visuellen Kulturen, ästhetischen Bricolagen oder Stereotype konstituieren sich im Rückgriff auf das Nationale?

– Das Nationale als Transformationsreflex: inwieweit ist die Konjunktur des Nationalen in den populären Kulturen im Kontext aktuell laufender Transformationsprozesse zu verstehen? (z.B. „Brexit“, EU-Feindlichkeit, Migrationspolitik,
postsozialistische Transformationsprozesse)

– Nation und Erinnerung: über welche Bedeutung und Erscheinungsformen verfügt die Adaption nationaler Traditionen, Mythen, Erinnerungsorte und –kulturen?

– Nation als Identitätsmarker: welche kollektiven Selbst- und Fremdbilder artikulieren sich im Argument des Nationalen?

– Das Nationale geschichtlich: Erscheinungsformen des Nationalen in historischen Populärkulturen?

Die Tagungssprachen sind deutsch und englisch. Da wir bei den Arbeitstagungen der Kommission viel Wert auf die lebendige und kritische Diskussion legen, sollten internationale Teilnehmer*innen auch den deutschsprachigen Beiträgen inhaltlich folgen können. Eine Publikation der Beiträge im Rahmen der Schriftenreihe der Kommission ist geplant. Die Exposés (max. 2.500 Zeichen) mit Titel und kurzem CV bis zum 10.11.2019 senden Sie bitte an:
m.spiritova@ekwee.uni-muenchen.de <mailto:m.spiritova@ekwee.uni-muenchen.de> und manuel.trummer@ur.de <mailto:manuel.trummer@ur.de>. Die Teilnehmenden werden bis zum 6. Dezember 2019 über die Aufnahme in das Tagungsprogramm informiert.

Die Reisekosten der Vortragenden können in begrenztem Umfang anteilig übernommen werden. Vortragende ohne die Möglichkeit, Reisekosten über die eigene Institution abzurechnen, sowie Vortragende ohne feste Anstellung werden dabei vorrangig behandelt.

PD Dr. Marketa Spiritova (München)

PD Dr. Manuel Trummer (Regensburg)

www.kpuv.de <www.kpuv.de/>

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PD Dr. Manuel Trummer
Akademischer Oberrat

Vergleichende Kulturwissenschaft |Comparative European Ethnology
Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK)
Universität Regensburg, 93053 Regensburg, Raum PT 3.0.51

phone: ++49 (0)941 943-4304
mail: manuel.trummer@ur.de <mailto:manuel.trummer@ur.de>
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Current peer-reviewed publications:
• The countryside and rurality. Perspectives drawn from cultural analysis of the rural. In: Journal of European Ethnology and Cultural Analysis 2018, 3 (2), S. 145–168.
• Das Land und die Ländlichkeit. Perspektiven einer Kulturanalyse des Ländlichen. In: Zeitschrift für Volkskunde 114 (II/2018), S. 187–212.
• Making Bavaria. Zur medialen Governance des Ländlichen am Beispiel des BR Fernsehen. In: Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes/Rural History Yearbook 2018, S. 86–107.

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Von Claus-Marco Dieterich

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